Charakterentwicklung – Lebendige Charaktere entwickeln

Charakterentwicklung – Lebendige Charaktere entwickeln

Mit guten Charakteren steht oder fällt eine Geschichte. Eine Geschichte, deren Charaktere keine Motive, keine Beweggründe, keine Ängste und keine Sorgen haben, kann niemals so fesselnd sein wie ein Buch, mit dessen Hauptcharakter wir uns identifizieren können. Der Schlüssel dafür liegt in der Charakterentwicklung. Denn ein guter Charakter braucht Tiefe. Nur Charaktere mit Tiefe können wir Hassen oder Lieben lernen. – Nur so, bleibt uns ein Roman in Erinnerung. In diesem Leitfaden möchte ich dir helfen Figuren zu entwickeln, die in Erinnerung bleiben.

Den Charakter skizzieren

Ähnlich wie im echten Leben ist es der erste Eindruck der zählt. Wir müssen uns mit den Figuren in unserem Buch vertraut machen. Das beginnt, ganz plakativ, bei dem äußeren Erscheinungsbild. Wie groß, klein, dick oder dünn ist deine Figur? Was trägt sie für Kleidung? Was für eine Frisur hat deine Figur? Beim Planen dieser ersten Eigenschaften kann auch ein Charakterbogen sehr hilfreich sein. Bereits bei den ersten Merkmalen, die wir festlegen, formt sich unsere Figur in eine Charakter. Eine dicklichere, ungepflegtere Figur ist vielleicht träge. Ein alter Mann mit Sorgenfalte auf der Stirn könnte grisgrämisch sein. Natürlich werden an dieser Stelle viele Stereotypen bedient. Doch das ist wichtig, um sich ein grobes Bild zu verschaffen.

Dem Charakter Tiefe verleihen

Nachdem die ersten äußerlichen Merkmale festgehalten wurden, solltest du im nächsten Schritt damit anfangen, deiner Figur Tiefe zu verleihen. Stelle dir dafür am besten ganz häufig die Frage Warum? Warum trägt mein Charakter eigentlich diese oder jene Kleidung? Warum spricht er so, wie er spricht? Warum ist er so dünn oder so klein? Lasse deiner Kreativität dabei freien Lauf. Schreibe alles auf, was dir in den Sinn kommt. Die Charakterentwicklung besteht zu großen Teilen aus Brainstorming. Danach kannst du immer noch Unstimmigkeiten wieder streichen. Versuche auf diese Art und Weise, deiner Figur eine Identität zu verschaffen. Dabei solltest du am Ende folgende Fragen für deine Figur beantworten können:

  1. Warum sieht mein Charakter so aus, wie er aussieht?
  2. Wovor hat er am meisten Angst?
  3. Was ist sein größter, heimlicher Wunsch?
  4. Vor welchem Konflikt steht die Figur?

Eine bewährte Methode zum Plotten und Strukturieren von Geschichten ist die Schneeflockenmethode. Doch sie zeigt uns nicht, wie wir den Charakteren, in unseren Büchern, die richtige Würze verleihen.

Das soziale Umfeld

Nachdem dein Charaktergrundgerüst steht, geht es im nächsten Schritt der Charakterentwicklung darum, das soziale Umfeld näher unter die Lupe zu nehmen. In diesem Fall betrifft das die Nebenfiguren. In was für Verhältnissen ist mein Charakter aufgewachsen und wie ist das Verhältnis zu den Figuren, die ihn groß gezogen haben, heute? An dieser Stelle kann es auch sinnvoll sein, zum ersten Schritt zurück zu springen und die Eltern oder Freunde zu skizzieren, ehe es weiter in die Tiefe geht. Erst dann kannst du herausfinden, ob deine Figur ein Einzelgänger ist, sich in der Gruppe wohler fühlt und wieso er sich so benimmt. Häufig ist es hilfreich einen Realitätsabgleich zu machen und reale Personen als Schablone für die eigenen Gedanken zu nehmen. Stelle dir also folgende Fragen:

  1. Was für Beschäftigungen geht mein Charakter gerne nach?
  2. Wie geht er mit anderen Menschen/Lebewesen um?
  3. Ist er religiös?
  4. Was für einen Status hat meine Figur in einer sozialen Gruppe?

Charaktereigenschaften festlegen

Dieser Schritt kann manchmal sehr schwierig sein. Bei der Figurenentwicklung ist er jedoch unabdinglich. Nachdem du deinen Charakter skizziert hast, also weißt, wie er aussieht, nachdem du weißt, was seine inneren Sehnsüchte sind und aus welchem Umfeld er kommt, geht es darum, die Charaktereigenschaften festzulegen. Diese ergeben sich zumeist aus den vorherigen Schritten. Beispielsweise ist ein kleiner schmächtiger Junge, der immer zerrissene Kleidung trägt, Angst hat, verlassen zu werden und nicht gut mit Menschen zurecht kommt, vielleicht kreativ, musikalisch oder schüchtern. Niemals aber könnte diese Figur arrogant sein, da es sich mit den vorher festgelegten Punkten beißen würde.

Die Figur in den Plot einbinden

Im Grunde ist es wie in einem Spiel. Bei diesem letzten Schritt der Methode geht es darum, deine Figur auf das Schachbrett zu setzen um zu sehen, wie sie mit deiner Welt harmoniert. Stelle dir verschiedene Szenarien vor und halte dir dabei immer vor Augen, ob deine Figur der Protagonist, der Antagonist oder ein Nebencharakter ist: Wie gliedert sich meine Figur in die Umgebung ein? Ist seine aktive oder eine passive Figur? Was für einen Einfluss auf das Umfeld in meinem Roman hat ihre Anwesenheit? In was für einer Gegend aus meinem Buch würde ich ihr am ehesten begegnen? Gibt es irgendwelche Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert wäre? Hier geht es also darum, so viel wie möglich aus den vorherigen Punkten wieder zu streichen, was schlussendlich nicht kompatibel mit deiner Geschichte ist.

Die Charakterentwicklung abschließen

An dieser Stelle sollte dein Charakter im wesentlichen stehen. Damit ist es Zeit, die Charakterentwicklung allmählich abzuschließen und noch mehr auf die tatsächliche Entwicklung deines Charakters einzugehen. Rufe dir dafür die Fragen vom Anfang noch einmal vor Augen: Was ist der größte Wunsch und wovor hat er am meisten Angst? Dein Charakter möchte im Laufe deiner Geschichte seinen Wunsch erfüllen und stößt dabei auf Schwierigkeiten. An jedem Rückschlag muss er wachsen und aus jedem Fehler lernen. Eine zu Beginn schüchterne Figur wird dadurch im Laufe der Geschichte etwas selbstbewusster. Eine arrogante Figur zeigt vielleicht etwas mehr Einsicht und Mitgefühl. Der Schlüsselsatz dabei ist: Deine Figur darf am Ende nicht mehr mit der Figur vom Anfang übereinstimmen. Die Merkmale und Eigenschaften bleiben zwar bestehen, doch es kommen noch neue hinzu.

Haben dir diese Tipps und Tricks zur Charakterentwicklung geholfen? Hinterlasse mit gerne einen Kommentar mit deinen Ideen und Anregungen. Ich freue mich darauf, deine Figuren kennenzulernen.

Beitragsbild: © andrs-off – pixabay.com

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