Eselsohr – Das brutale Lesezeichen für Buchliebhaber

Eselsohr – Das brutale Lesezeichen für Buchliebhaber

Vielen Buchliebhabern läuft es bei dem Gedanken an Eselsohren kalt den Rücken herunter – und das nicht ganz ohne Grund: Bei dem Eselsohr handelt es sich nämlich um eine umgeknickte Ecke eines Blattes Papier, das, meistens in Büchern, Zeitschriften oder Zeitungen, verwendet wird, um eine bestimmte Seite später leichter wiederfinden zu können. Doch woher hat das Eselsohr seinen Namen und was macht der Knick wirklich mit unseren Lieblingsbüchern?

Die Wortherkunft vom Eselsohr

Die Bezeichnung Eselsohr stammt in erster Linie von der Form des Knickes ab, da der Knick einem Ohr ähnelt. Tierfreunde wissen jedoch, dass Esel eigentlich gerade Ohren haben. Das Wort “Esel” zu dem “Ohr” wurde damals als Schimpfwort ergänzt. Das erste Mal aufgetaucht ist diese Faltkunst in dem deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm unter dem Begriff  folium libri complicatum. Sie beschrieben damit eine im Buch eingebogene Blattecke. Ihre Idee stammt von einem Zitat des Dichters Andreas Gryphius  ab:

Drein (in Büchern) setzt er manche Hand und Stern und Eselsohr und durchgeflochten Band.

Die Redewendung stammt ursprünglich von einem Augustinermönch namens Abraham a Santa Clara und soll heißen, dass alle Dinge und Menschen Fehler haben können. Diese philosophische Aussage wurde mit Umsetzung des Eselsohrs in die Tat umgesetzt, indem Büchern tatsächlich Sachfehler in Form von Knicken zugefügt wurden.

Funktion als Lesezeichen

Die Funktion des Eselsohren ist sehr simpel: Durch das Umknicken einer Seite von Büchern oder Zeitschriften soll bezweckt werden, dass man eben diese später leichter wiederfindet. Sie dienen als eine Art Lesezeichen zur Markierung und Wiederauffindbarkeit. Bei Visitenkarten oder Tischkarten gehören sie sogar regelrecht zur Faltkunst mit dazu, damit die Papierstücke besser auf Tischen platziert werden können. Hin und wieder können Eselsohren jedoch auch aus Unachtsamkeit entstehen, wenn Bücher oder Zettel lieblos in eine Tasche geworfen werden.

Das Eselsohr heute

Mittlerweile gelten Esel nicht mehr als negativ belastete Tiere. Auch die Wortherkunft ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Dennoch gilt das beabsichtige und unbeabsichtigte Knicken von Seiten in Bibliotheken als Sachbeschädigung. Die Folge kann sein, dass man den Sachwert erstatten muss. Auch Buchliebhaber müssen oft schwer Schlucken, wenn ihren Büchern ein solcher Schaden zugefügt wird. Denn Eselsohren lassen sich nur schwer wieder ausbügeln. Der Knick im Papier bricht in der Regel die Seite und bleibt danach für immer erhalten.

Synonyme und das Eselsohr in anderen Ländern

Auch in anderen Ländern ist dieses ganz spezielle Lesezeichen den Menschen ein Begriff. In England wird der Papierknick beispielsweise dog-ear, also Hundeohr, genannt. In Frankreich hingegen heißen sie schlicht und einfach Corne, was übersetzt Horn bedeutet. Auf Spanisch sagt man schlicht und einfach doblez, was mit Knick zu übersetzen ist.

Fazit

Ich persönlich bin keine große Freundin von Eselsohren. Lieber greife ich zu klassischen Lesezeichen aus Papier oder Pappe, die man nach der Benutzung problemlos wieder entfernen kann. Außerdem denke ich, dass es auf Dauer ziemlich unübersichtlich werden kann, wenn man mehrere Knicke in einem Buch hat. Manche Menschen benutzen auch den Schutzumschlag ihrer Bücher zum Markieren einer Seite. Was denkst du über das Thema?

Beitragsbild: © mvdsande – pixabay.com

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