Was macht eigentlich ein Buchbinder?

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Bücher sind das älteste Medium das wir haben und nutzen. Die meisten von uns sind mit Büchern aufgewachsen und bei dem ein oder anderem verstauben sie einfach nur im Regal. Früher war das anders. Es gab eine Zeit, in der Bücher dem Adel vorbehalten waren. Zu teuer war ihre Herstellung. Das war die Zeit, in dem der Buchbinder seine Hochphase hatte. Doch was machen Buchbinder heutzutage noch? Wie viel kann man in diesem Beruf verdienen und ist ihre Arbeit überhaupt noch notwendig?

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Große Konzerne, wie beispielsweise Ikea noch in den 70er Jahren, werben regelrecht damit: Benütz es und wirf es weg! Erst seit Kurzem sind wir in einer Umbruchstimmung. Wiederverwerten statt weg werfen, recyclen statt neu kaufen. In vielen Bereichen unseres Lebens ist diese Einstellung bereits angekommen. Einen ganz besonderen Platz in dieser Ideologie haben Bücher. Bücher existieren schon seit Jahrhunderten. Wer heute ein altes Buch besitzt, vielleicht sogar noch eine Erstausgabe, kann dieses meist für hohes Geld verkaufen. Ganz besonders dann, wenn es von einem berühmten Autoren stammt.

Damit das überhaupt möglich ist, müssen diese Bücher, die aus so sensiblen Materialien, wie Leder und Papier, bestehen, regelmäßig restauriert und gepflegt werden. Dieser ganz besonderen Aufgabe widmet sich unter anderem der Buchbinder. Der erste Buchbinder lebte um 550, hieß Dagaeus und war ein aus Irland stammender Mönch. Die Blütezeit erlebte dieses Berufsbild im späten Mittelalter. Im Jahr 2010 hingegen waren nur noch rund 250 Menschen in Deutschland in einer Ausbildung zum Buchbinder. Im Jahr 2000 waren das noch 50% mehr. Die Kunst des Buchbindens ist ein sterbendes Handwerk. Das völlig zu Unrecht.

Aufgaben eines Buchbinders

Die Aufgaben eines Buchbinders in der heutigen Zeit sind vielfältig. Bücherwürmer kennen den Beruf vermutlich am ehesten von Mortimer „Mo“ Folchart, dem Vater von Meggie aus Tintenherz, der ebenfalls als Buchbinder arbeitet, wenn er nicht gerade als Zauberzunge Dinge und Lebewesen aus Büchern heraus liest. Auch er verbringt in der Geschichte viel Zeit damit, die alten Bücher von Elinor zu restaurieren. Doch zu dem Beruf gehört noch viel mehr als das:

Buchbinder ist eine Berufsbezeichnung und die Bezeichnung für den dazugehörigen Ausbildungsberuf. Der Buchbinder bringt das Buch in seine endgültige Form und stellt den Einband her. Er nimmt damit den abschließenden Arbeitsgang der Buchherstellung nach Beendigung von Redaktion, Satz, Layout und Druckarbeiten vor, also die Herstellung und Verbindung der den Buchblock umschließenden äußeren Hülle mit allen Schritten vom Ordnen und Zusammenfügen der Lagen bis hin zur künstlerischen Gestaltung. Ebenso kann der Buchbinder die Veränderung bereits vorhandener Einbände vornehmen, so zum Zwecke der Reparatur eines Bandes oder historisch vor allem im Barock zur Vereinheitlichung des Aussehens einer Bibliothek. – Wikipedia

Heutzutage unterscheidet man den Beruf in drei Bereiche:

  1. Buchfertigung (Serie)
  2. Druckweiterverarbeitung (Serie)
  3. Einzel- und Sonderfertigung

Je nach Bereich und Betrieb können sich so die Aufgaben eines Buchbinders dementsprechend stark unterscheiden. Menschen, die das Lesen lieben und die Kunst der Bücher verstehen, sind in diesem Job jedoch ganz richtig aufgehoben. Bücher zu erhalten bedeutet auch, einen Teil der Kultur zu erhalten und zu pflegen. Wissen bedeutet Macht und ohne alten Büchern und Schriftrollen, wäre uns schon vieles wertvolles Wissen früherer Generationen für immer verborgen geblieben.

Karriere und Gehalt

Laut dem Portal ausbildung.de liegt das durchschnittliche Gehalt eines Buchbinders zwischen 1.500 € und 2.600 € brutto im Monat. Die Ausbildung hingegen wird mit zwischen 420 € und 520 € vergütet. Doch das muss nicht die letzte Karrierestufe in diesem Berufsfeld gewesen sein. Wer seine Ausbildung abgeschlossen hat, der kann sich mit einigen Jahren Berufserfahrung zum Buchbindermeister weiterbilden. Auch der geprüfter Industriemeister Fachrichtung Digital- und Printmedien, Medienfachwirt oder Restaurator im Buchbinderhandwerk können Möglichkeiten sein, den beruflichen Horizont zu erweitern.

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Der Beruf des Buchbinders heute

Gegenwärtig gibt es noch rund 1.200 Handwerksbetriebe in Deutschland, die sich der Kunst des Buchbindens verschrieben haben. Im Jahr 2011 wurde dieser Beruf zu großen Teilen durch den Medientechnologen Druckverarbeitung, der die Buchbranche einer ganz neuen Generation wieder attraktiv gegenüber wirken lassen sollte. Auch Preise wurden ins Leben gerufen, um wieder mehr Menschen von dieser Kunstform zu überzeugen. So werden jedes Jahr von der Stiftung Buchkunst (u.a. des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels) auf der Frankfurter Buchmesse für handwerklich und künstlerisch ambitionierte Buchprodukte Preise in zehn verschiedenen Kategorien von Gebrauchsbüchern vergeben. Die buchbinderische Verarbeitung ist dabei ein wesentliches Qualitätsmerkmal der Juroren.

Der Erhalt und die Pflege von Büchern ist heutzutage wichtiger als je zuvor. Deshalb ist es auch so wichtig, diesen unglaublich wertvollen Beruf zu erhalten. Viel zu selten wissen wir die Dinge in unserer Umgebung aufrichtig wert zu schätzen. Die Herstellung von Büchern ist eine hohe Kunst. Das beginnt beim Buch schreiben, geht aber von da an viel weiter von Marketing, Buchdruck, Vertrieb und Buchhandel. Ich poche immer dafür, die Lesekultur weiter zu fördern. Damit diese Lesekultur weiter fortbestehen kann, brauchen wir auch heute noch Menschen, die Bücher lieben. So, wie der Buchbinder.

Beitragsbild: © Kelly Sikkema – unsplash.com

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3 Kommentare

  1. 10. Juli 2019 / 18:15

    Hey Sarah,

    und wow, vielen Dank für den Beitrag. Ich fand ihn wirklich unglaublich spannend.
    Das ist auch einer von diesen Berufen, über die man so gar nicht nachdenkt. Dabei ist er ja schon irgendwie toll.

    Hab einen tollen Abend.

    Ganz lieben Gruß

    Steffi

  2. 19. Juli 2019 / 7:14

    Schönen guten Morgen!

    Ich finde den Beitrag auch sehr interessant. Ein Beruf der sicher nicht verschwinden sollte – mir war er natürlich auch aus der Tintenherz Reihe bekannt, aber so richtig beschäftigt oder informiert hatte ich mich bisher nicht darüber: deshalb vielen Dank!

    Ich hab deinen Post auch heute in meiner Stöberrunde verlinkt 🙂

    Liebste Grüße, Aleshanee

  3. 19. Juli 2019 / 12:07

    Hallo,

    ein sehr schöner Artikel! Ich hoffe, dass der Beruf nicht irgendwann in Vergessenheit gerät – ich lese selber zwar auch viele eBooks (weil ich aufgrund meiner MS oft Probleme mit Sicht und Konzentration habe und mir die eBooks dann von der Text-to-Speech-Funktion vorlesen lassen kann), kaufe mir Bücher, die mich begeistert haben, dann aber dennoch meist noch als Printbuch.

    Seit ein paar Wochen habe ich auch damit angefangen, mir selber ein paar einfache Methoden des Buchbindens beizubringen. (Allerdings benutze ich das nicht für Literatur, sondern für das Binden meiner Zeichnungen und Bilder.) Ich überlege im Moment, ob ich da mal das ein oder andere Tutorial auf meinem Blog bringen sollte.

    LG,
    Mikka

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