Warum manche Autoren ein Pseudonym verwenden

Warum manche Autoren ein Pseudonym verwenden

Noch nie waren die Menschen so sehr unter einander vernetzt wie heute. Nichts desto trotz sind auch viele anonymer denn je. Egal ob Online oder in der Literatur: Das Pseudonym ermöglicht es uns, unterzutauchen und eine zweite oder neue Identität aufzubauen, die – teilweise – absolut parallel zur echten Identität laufen kann. Doch wieso machen eigentlich so viele Autoren Gebrauch davon und wie sieht die rechtliche Lage bei der Verwendung von Künstlernamen aus? Ich möchte dir diese Fragen beantworten.

Was ist ein Pseudonym?

Vom Pseudonym spricht man beim fingierten Namen einer Person. Das bedeutet, dass diese Person nicht tatsächlich so heißt wie sie sich vorstellt. Oft wird deshalb auch vom Alias oder nom de plume geredet. Es tritt anstelle des bürgerlichen Namens in Kraft und verschleiert dadurch die eigene Identität. Das Wort stammt aus dem griechischen und bedeutet fälschlich so genannt. Pseudonyme werden aus diesem Grund vor allem von Künstlern oder Autoren verwendet und deshalb auch Künstlernamen oder Bühnennamen genannt. Auch Prostituierte oder Stripper geben gerne mal einen “falschen” Namen, wie zum Beispiel Destiny, an. Doch auch in der Spionage werden Pseudonyme gerne verwendet. Die Decknamen oder auch Kampfnamen dienen dazu, die Person und ihr soziales Umfeld zu schützen. Dieser Funktion bedienen sich auch gerne die Medien, wenn sie von Kriminellen berichten und diesen Personen unfreiwillig ein Pseudonym verpassen.

Künstlernamen in der Vergangenheit

In erster Linie jedoch werden diese Künstlernamen von Autoren verwendet. Das Ziel ist es meistens, die Privatsphäre zu schützen oder das eigene Image nicht zu beschädigen, wenn der eigene Roman an gesellschaftlichen Werten kratzt. Daher stammt auch die Bezeichnung nom de plume, was wörtlich übersetzt Schreibfeder-Name bedeutet. Viele Autoren haben ein Pseudonym oder verwenden es noch. Nicht alle Pseudonyme konnten bis heute eindeutig geklärt werden, wer tatsächlich hinter der Bezeichnung steckt.

Berühmte Pseudonyme:

  • Agatha Christie: Mary Westmacott
  • Stephen King: Richard Bachman
  • Paul Dessau: Henry Herblay
  • Jasmin Wagner: Blümchen
  • Ilka Bessin: Cindy aus Marzahn
  • Stefani Joanne Angelina Germanotta: Lady Gaga
  • William Jefferson Blythe: Bill Clinton
  • Anis Mohamed Youssef Ferchichi: Bushido
  • Cherilyn Sarkisian La Piere: Cher

Die Verwendung von Pseudonymen ist jedoch keinesfalls nur Berühmtheiten vorbehalten. Im Grunde darf jeder sich ein Pseudonym verleihen und unter diesem Auftreten. In vielen Berufen oder Branchen, wie zum Beispiel beim Geheimdienst, ist das sogar gängige Praxis.

Arten von Pseudonymen

Ein Pseudonym ist nicht gleich ein Pseudonym. Diese Art der eigenen Namensgebung hat viele Ursprünge, Variationen und Formen. Doch nicht immer macht einen die Verwendung anonym. Manchmal wird auch nur mit den Buchstaben gespielt, Ananyme werden kreiert oder auch Kryptonyme.

  • Prenonym: Ein Vorname wird in den Künstlernamen mit eingebaut, z. B. bei Jean Paul Friedrich Richter = Jean Paul.
  • Pseudandronym: Eine Frau benutzt einen Männernamen, z. B. Robert Galbraith = J. K. Rowling.
  • Pseudogynym: Ein Mann benutzt einen Frauennamen, z. B. Prosper Mérimée = Clara Gazul.
  • Traduktionym: Die Übersetzung des wirklichen Namens in eine andere Sprache, z. B.  Ton Koopman = Antoine Marchand.
  • Geonym: Name, der aus einem geografischen Namen abgeleitet ist, z. B. Georg Baselitz aus Deutschbaselitz.
  • Aristonym: Aufwertung des Namens durch einen unechten Adelstitel, z. B. Hoffmann von Fallersleben.
  • Hagionym: Aufwertung des Namens durch einen Heiligennamen, z. B. Halldor Kiljan Laxness.
  • Ironym: Name mit einer satirischen oder ironischen Absicht, z. B. Hella von Sinnen.
  • Allonym: Name, der durch eine bekannte Persönlichkeit inspiriert ist, z. B. Pablo Neruda nach Jan Neruda.
  • Phraseonym: Name, der durch eine Redewendung inspiriert ist, z. B. Farin Urlaub.
  • Sammelpseudonym/Verlagspseudonym: Name, der von Unternehmen für viele unterschiedliche Personen verwendet wird, z. B. Dr. Sommer.
  • Gemeinschaftspseudonym/Kollektivpseudonym: Name, der von Künstlern für viele unterschiedliche Personen verwendet wird, z. B. H. Bustos Domecq.

Gründe für die Verwendung eines Pseudonyms

In Deutschland lassen sich auch Pseudonyme heutzutage namensrechtlich schützen. Ein Künstler hat laut dem Urheberrecht das Recht dazu, festzulegen, wie er genannt werden will. Der Name wird als Name anerkannt. Selbst im europäischen Reisepass oder in Ausweisdokumenten können diese Namen eingetragen werden. Das klingt zu schön um wahr zu sein, doch die Verwendung eines Pseudonyms hat noch viele weitere Vorteile.

  • Vereinfachung oder Verschönerung des Namens
  • Wirtschaftliche Vorteile
  • Imagepflege
  • Vermeidung von Nachteilen
  • Biographische Hintergründe
  • Schutz von Personen in der Berichterstattung der Medien
  • Spaß am Verwirrspiel
  • Verdeutlichung der Identität

Auch du und ich benutzen im Internet Pseudonyme. Online spricht man dann allerdings in erster Linie von Benutzernamen, Spitznamen oder Nicknamen. Wir benötigen Benutzernamen für so gut wie jede Plattform,e gal ob E-Mail, Forum oder Internetpräsenz. Auch nonsensente ist nichts anderes als ein von mir selbst an mich vergebenes Pseudonym. Der große Vorteil ist die Anonymität, bzw. Pseudonymisierung, die ein solcher Name mit sich bringt. Durch die Verwendung schützen wir unweigerlich unsere personenbezogenen Daten. Nicht in Ordnung ist es natürlich, wenn eine Person mehrere Identitäten als Sockenpuppen benutzt, um in Diskussionen oder Abstimmungen zu gewinnen. Dann kann die Anonymisierung zum richtigen Problem werden.

Was denkst du über die Verwendung von Pseudonymen in der Literatur? Hat dich ein Pseudonym schon einmal überrascht?

Beitragsbild: © Katarina_S – pixabay.com

Hinter nonsensente stecke ich, Sarah. Seit dem Jahr 2015 bin ich Bloggerin. Ich schreibe auf meinem Blog über Dinge, Welten und Menschen. Kurzum über alles, was mich bewegt. Als Pixelfreundin bin ich in der bunten Welt der Medien aufgewachsen. Besonders gerne befasse ich mich heute mit Literatur aus den Bereichen Fantasy, Sci-Fi und Crime.

3 Kommentare

  1. 10. Oktober 2018 / 15:52

    Hi!

    Ein interessanter Beitrag!
    In der Literatur finde ich es manchmal ehrlich gesagt gar nicht gut, wenn unter einem Pseudonym geschrieben wird. Und zwar im Hinblick darauf, dass z. B. Männer “Frauenliteratur” schreiben und dann als “Frau” veröffentlichen. Da heißt es dann: sonst würde es nicht gekauft / gelesen. Den Fall andersrum gibt es natürlich auch, was ich genauso unsinnig finde.

    Wenn mehr publik würde, wer da tatsächlich hinter den Pseudonymen steckt, würde sich vielleicht auch was ändern. Ich selber achte überhaupt nicht auf das Geschlecht des Autors, weder bei Krimis/Thriller, dass es ein Mann ist, noch bei romantischen Geschichten, ob es eine Frau ist. Beide können in allen Sparten genauso gut oder schlecht schreiben wie andere – finde ich zumindest. Ich lese beide gleich viel und da ist mir kein Unterschied aufgefallen, was das gute bzw. das schlechte betrifft.

    Es liegt natürlich an der Natur der Sache, dass Frauen vermehrt in anderen Genren schreiben als Männer, aber vielleicht kommt uns das nur so vor wegen den Pseudonymen? Ich weiß es nicht … aber den Grund, den ich genannt habe, finde ich unnötig.

    Natürlich kann es auch andere Gründe geben, wie du schon gesagt hast, der Schutz von Privatsphäre, gerade wenn es um persönliches in den Büchern geht, oder wenn man vor Familie, Freunden, Arbeitsplatz etc. “nicht erkannt” werden möchte als Autor. Das muss natürlich jeder selbst für sich entscheiden.

    Was ich gar nicht verstehe ist, warum einige in verschiedenen Genren jeweils einen anderen Namen haben, als Wiedererkennungswert sozusagen. Ich persönlich fände es schöner wenn ich sehe, der Autor oder die Autorin ist in mehreren Genren unterwegs, so dass ich diese dann eben auch mal ausprobiere. Aber so richtig beschäfftigt habe ich mich mit dem Thema ehrlich gesagt noch nicht 🙂

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • Sarah
      Autor
      10. Oktober 2018 / 20:05

      Liebe Aleshanee,

      danke für den Kommentar! Ich bin da deiner Meinung. Es sagt sehr viel aus, dass beispielsweise auch J. K. Rowling nicht ihren vollen Namen verwenden durfte, als das erste Harry Potter Buch veröffentlicht werden sollte, weil der Verlag Angst hatte, dass Jungen die Bücher einer Frau nicht lesen wollen würden. Das ist Unsinn und in so vielen Hinsichten falsch. Oft kommen Pseudonyme schließlich doch irgendwann ans Tageslicht. Aber am Ende ist das wohl eine Entscheidung der Vermarktung..

      Liebe Grüße!

    • 11. Oktober 2018 / 7:46

      Gerade am Beispiel von Joanne Rowling … ihre Krimireihe wurde ja auch unter einem männlichen Pseudonym veröffentlicht.
      Ich denke, weil vielleicht “Ein plötzlicher Todesfall” nicht so gut ankam wie erwünscht?
      Zum Glück hab ich das entdeckt gehabt, weil mit dem Namen “Robert Galbraith” konnte ich natürlich gar nichts anfangen – ich hab die Reihe nur ausprobiert, weil sie Rowling geschrieben hat 😀 Und sie gefällt mir richtig gut, typisch britisch! <3

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